Biogaserzeugung: Alternative zum Mais


Bislang musste die Pflanze in Form von Setzlingen aufwändig auf dem Feld ausgebracht werden. Jetzt ist es Biogas-Landwirten aus Oberschwaben gelungen ein Verfahren zu entwickeln, das dem großflächigen Anbau der Energiepflanze zum Durchbruch verhelfen wird.

Der Hauptkritikpunkt, der immer wieder im Zusammenhang mit der Biogaserzeugung genannt wird, gilt der zunehmenden Vermaisung der Landschaft. Als zweitwichtigste Kulturpflanze wird Mais in Form von Silo- oder Körnermais auf rund 2,6 Mio. Hektar in Deutschland angebaut, davon 0,9 Mio. ha (35 %) für den Energiepflanzenanbau. Lediglich 9 % der Ackerfläche Deutschlands (11,7 Mio. ha) wird für den Maisanbau zur Energiegewinnung genutzt, der überwiegende Teil, also über 90 %, werden hauptsächlich zur Fütterung von Schwein und Rind und für die menschliche Ernährung geerntet (Quelle zu Maisanbauzahlen des Jahres 2015: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), der Beratungsinstanz des Bundeslandwirtschafts-ministeriums).

Bereits im Jahr 2012 haben sich die Stadtwerke Schwäbisch Hall dafür eingesetzt, Alternativen zum in die Kritik geratenen Maisanbau zu suchen. In einem Großversuch in Hohenlohe wurden auf vier Standorten auf einer Fläche von zwei Hektar bei Hohebuch und einem halben Hektar in Hesselbronn 40.000 Setzlinge der Durchwachsenen Silphie gepflanzt. Dabei wurden vier Sorten der Silphie aus unterschiedlichen Pflanzbetrieben mit Herkunft aus Deutschland und Nordamerika berücksichtigt. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall haben sich mit rund 10.000 Euro am Kauf des Pflanzguts beteiligt. Unter fachlicher Betreuung des Landwirtschaftsamts des Hohenlohekreises wurden die Pflanzen von der Bioenergieregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber auf den Feldern von Hand gesetzt. Bereits nach einem Jahr haben sich etwa 50 Zentimeter breite Bodenrosetten ausgebildet.

Die Ausbringung der Pflanze in Form von Setzlingen war bislang aufwändig und mit hohen Kosten von rund 8.000 Euro je Hektar verbunden. Dazu kommt, dass der Ernteertrag im ersten Jahr fehlte.

Doch nun haben Biogas-Landwirte aus Ostrach in Oberschwaben in dem Projekt Donau-Silphie ein Verfahren entwickelt, wie die Pflanze maschinell in Form von Saatgut aufs Feld gebracht werden kann. Hinzu kommt, dass die für Wildpflanzen typische geringe Keimzahl von 15-20 % auf 90 % erhöht werden konnte. Durch eine gemeinsame Aussaat von Silphie und Mais kann im ersten Jahr außerdem ein Ernteertragsausfall vermieden werden.

Als Dauerkultur ist die Pflanze 15 bis 20 Jahre nutzbar, der älteste Bestand ist bereits 30 Jahre alt. Somit spart man sich die jährliche Saatgutausbringung wie beispielsweise beim Mais. Ab dem zweiten Jahr kommt man ohne Mineraldünger und Herbizide aus. Um die Nährstoffversorgung der Pflanze sicherzustellen, reicht es aus die Pflanzen im Frühjahr mit den Gärresten aus der Biogasanlage zu düngen.

Die Durchwachsene Silphie liefert im Durchschnitt einen Trockenmasseertrag auf Maisniveau. Je Tonne können etwa 538 Kubikmeter Biogas und 284 Kubikmeter Biomethan gewonnen werden. Bei einem Trockensubstanzertrag von 18 Tonnen je Hektar Fläche ab der ersten Ernte liegt der Deckungsbeitrag bei der Silphie bei etwa 888 Euro (Mais: 710 Euro). Rein betriebswirtschaftlich gesehen rechnet sich der Anbau nach etwa fünf bis acht Jahren.

Pflanzenportrait „Durchwachsene Silphie“
Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) ist eine in Nordamerika beheimatete Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler der Ordnung Asternartige. Je nach Standort und Witterung erreicht sie eine Wuchshöhe von bis zu 3,50 Metern. Die Pflanze blüht gelb von Juli bis September, ihr Blütenreichtum trägt zur Artenvielfalt bei und liefert Nektar und Pollen für Bienen und Insekten. Das ist für Imker besonders wertvoll, denn in dieser Zeit blühen wenig andere Pflanzen. Geerntet wird Ende August bis Mitte September. Bleiben 15 bis 20 cm von der Pflanze stehen, schützt sie in der regenreichen Jahreszeit vor Bodenerosion und bietet im Winter kleinen Tieren Schutz.

Die am Stängel verwachsenen Blattpaare bilden kleine Becher, in denen sich Tau- und Regenwasser ansammeln kann. Dieses Merkmal führte zum im englischen Sprachraum verbreiteten Namen „cup plant“ für Becherpflanze. Die Becher am Stängel und ein Feinwurzelsystem, das durch seine Länge von bis zu zwei Metern auch tiefer liegende Nährstoffe erreicht, lässt die Pflanze auch an trockenen Standorten und nährstoffärmeren Böden gedeihen. Durch die komplette Aufnahme von Nitrat im Herbst ist sie auch zur Sanierung von Wasserschutzgebieten geeignet. Die Pflanze bildet etwa 6-8 Tonnen Humus je Hektar und Jahr und hat dadurch bodenverbessernde Eigenschaften.

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